Die Gegend, die heute grob dem Amt Odervorland entspricht, wurde im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) zu einem der am stärksten verwüsteten Landstriche Brandenburgs. Die geografische Lage machte das Gebiet zur tödlichen Falle: Es lag als Nadelöhr auf der wichtigen West-Ost-Handelsstraße, da alle Truppenbewegungen hier durchmussten, um die Oderübergänge zu kontrollieren. Dadurch wurde die Region direktes Frontgebiet.
Die größte Zerstörung fand nach den Zügen des Grafen von Mansfeld im Jahr 1631 statt, als König Gustav Adolf von Schweden anrückte. Die Dörfer wurden zunächst von den dort einquartierten kaiserlichen Truppen ausgepresst und nach der Erstürmung Frankfurts von den chaotisch flüchtenden oder siegreichen Söldnern geplündert.

Diese ständige Anwesenheit der Soldateska führte zu einem Zustand der Rechtlosigkeit und markierte den Beginn einer demografischen Katastrophe.
Die Tragödie der entvölkerten Dörfer
Die unbefestigten Dörfer litten weitaus stärker als die Städte, da sie den Heeren schutzlos ausgeliefert waren. Viele Höfe fielen wüst, die Lebensgrundlage der Bauern wurde durch den Diebstahl von Zugvieh und Saatgut vernichtet. Daraufhin setzte eine Hungersnot ein, die die Menschen zwang, Rinde oder Gras zu essen. Hinzu kamen Seuchen: Die Pest wurde von den durchziehenden Soldaten eingeschleppt und tötete oft mehr Menschen als die Kriegshandlungen selbst.

Diese Mischung aus Gewalt, Hunger und Seuche führte in den Dörfern zum Bevölkerungskollaps:
Das bekannteste Beispiel ist die historische Sage von den Sieben Briesenern. Demnach überlebte nur eine Handvoll Menschen, die sich über Jahre retteten, indem sie in den dichten Wäldern und Sümpfen der Umgebung, wie dem Wolfsbruch in der Karthäuser Heide, versteckt lebten. Als sie zurückkehrten, fanden sie nur noch Asche.
In Alt-Madlitz war die Zerstörung so strukturell, dass nach dem Krieg zeitweise nur noch ein einziger Bauer (Hüfner) übrig gewesen sein soll. Der Gutsherr Hans Georg von Wulfen dokumentierte die Not in seinen Aufzeichnungen: 22 Höfe lagen wüst, es gab so gut wie keinen Viehbestand mehr.
Das Schicksal von Falkenberg
Das kleinere Dorf Falkenberg teilte dieses Schicksal und wurde als nahezu vollständig ausgelöscht beschrieben. Es lag im unmittelbaren Einzugsbereich der Truppenbewegungen und konnte sich nicht verteidigen. Berichte besagen, dass Falkenberg zeitweise komplett menschenleer war, da die Überlebenden entweder in die Städte flohen oder an der Pest starben.
Die wenigen Falkenberger, die überlebten, suchten Schutz in den dichten Erlenbrüchen und Sumpfwäldern der Umgebung, genau wie die Briesener. Dort lebten sie als Gejagte in versteckten Erdhütten und versuchten, sich mit dem Nötigsten aus dem Wald zu versorgen. Da keine Bauern mehr da waren, um das Land zu bestellen, verödeten die landwirtschaftlichen Flächen und verbuschten.
Die mühsame Wiederbelebung der Region
Die Verwüstung hatte zur Folge, dass der Wiederaufbau erst sehr spät und schmerzhaft begann. Die Kirchen, wie die in Briesen, lagen Jahrzehnte lang als Ruinen, bevor sie gegen 1670/80 wieder aufgebaut werden konnten, was die langanhaltende Armut der Überlebenden belegt. Die Gutsherren, zu deren Besitz Falkenberg gehörte, mussten über Generationen hinweg Siedler von weit her mit Anreizen wie Steuerfreiheit anwerben, um die Wüstungen wieder urbar zu machen. Es dauerte fast ein Jahrhundert bis die Bevölkerungszahlen dieser Landschaft wieder den Stand von 1618 erreichten.