Von der Reichsgründung bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

1871 – 1945 war für die Menschen in Falkenberg und der Region von einem tiefgreifenden Wandel geprägt, der von Industrialisierung, Kriegen und politischen Umbrüchen bestimmt wurde. Das Leben der Bevölkerung wandelte sich in dieser Zeit in vier große Phasen:

Kaiserzeit und Gründerzeit
(ca. 1870–1914)

Diese Ära war von einem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung und einer Stabilisierung der Lebensverhältnisse gekennzeichnet:

Der Wohlstand durch die Industrialisierung (Bahnhof Briesen, Glashütte) führte zu Verbesserungen in der Infrastruktur. Gasbeleuchtung, neue Straßen (Chausseen) und die Post verbesserten die Kommunikation. In den besseren Bauern- und Gutshäusern (auch in Falkenberg) wurde die Technik sichtbar: verbesserte Öfen, teils fließendes Wasser und in späteren Jahren die ersten Anschlüsse ans Telefon- und Stromnetz.

Für die Menschen in Falkenberg bedeutete dies weniger harte Handarbeit auf dem Feld durch moderne Landmaschinen, die auf dem Gut eingesetzt wurden. Gleichzeitig zog es viele jüngere Bewohner nach Briesen oder Frankfurt (Oder), wo sie in der Industrie oder bei der Bahn Lohnarbeit fanden. Die traditionelle Agrarstruktur wurde durch eine Mischform aus Land- und Industriearbeit abgelöst.

Das Reich führte Sozialversicherungen ein. Die Schulbildung wurde verpflichtend und qualitativ besser, was die Alphabetisierung der Landbevölkerung förderte.

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik
(1914–1933)

Der Erste Weltkrieg war ein harter Rückschlag, gefolgt von wirtschaftlicher Unsicherheit:

Viele Männer aus Falkenberg und der Region wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Die Dörfer litten unter der Mangelwirtschaft, Lebensmittel- und Brennstoffknappheit. Frauen und ältere Menschen mussten die Arbeit auf den Feldern und im Gut Falkenberg übernehmen, um die Versorgung aufrechtzuerhalten.

Die Hyperinflation in den frühen 1920er Jahren traf die Landbevölkerung hart. Obwohl landwirtschaftliche Produkte immer benötigt wurden, herrschte große Unsicherheit. In dieser Zeit entstanden Spannungen zwischen den traditionellen Gutsbesitzern und den Kleinbauern sowie den Industriearbeitern in Briesen.

Die demokratische Weimarer Republik brachte politische Freiheiten, aber auch eine starke Polarisierung der Gesellschaft, die sich in den späten 1920er Jahren, besonders während der Weltwirtschaftskrise, bemerkbar machte.

Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg
(1933–1945)

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich der Alltag fundamental:

Das gesamte öffentliche Leben wurde „gleichgeschaltet“. Die Menschen wurden in NS-Organisationen eingebunden (Deutsches Jungvolk, BDM, SA). Die traditionellen Bauernhöfe wurden ideologisch über den Reichsnährstand kontrolliert.

Durch die Aufrüstung und die staatlich gelenkte Wirtschaft verschwanden die Arbeitslosigkeit und die Not der Weltwirtschaftskrise. Dies wurde von vielen als positiver Aufschwung empfunden, stand aber im Dienst der Kriegsvorbereitung.

Der Krieg wirkte sich noch verheerender aus als der Erste. Junge Männer wurden erneut eingezogen. Die Arbeit auf dem Gut in Falkenberg wurde durch Zwangsarbeiter (oft Kriegsgefangene oder verschleppte Personen aus Osteuropa) aufrechterhalten.

Das Kriegsende 1945: Die Front kommt zurück

Die Geschichte endete tragisch, als das Gebiet, das im Dreißigjährigen Krieg bereits zur Front geworden war, erneut zum Schlachtfeld wurde.

Im April 1945 wurde das Odervorland zum unmittelbaren Kriegsgebiet. Die Dörfer, einschließlich Falkenberg, wurden von den Kämpfen um die Reichshauptstadt erfasst.

Viele Gebäude wurden in den letzten Kriegswochen durch Artilleriebeschuss oder Brandlegung zerstört.

Mit dem Einmarsch der Roten Armee und dem Kriegsende endete die preußisch-brandenburgische Ära der Gutsherrschaft, die das Ende des Guts Falkenberg bedeutete.

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